Würzburg: Keine unschuldige Stadt

Dieses Jahr jährt sich die Bombardierung Würzburgs durch die British Air force zum 72. Mal. in der Stadt finden zum 16.03., dem Tag des Bombardements, alljährlich verschiedene Aktionen zum Gedenken an die Zerstörung Würzburgs im zweiten Weltkrieg statt. Jährlich strömen tausende zu den Gedenken am 16.03. und jedes Jahr versucht auch die extreme Rechte an den Opfermythos anzudocken. Nachdem sich die neonazistische Partei „III Weg“ letztes Jahr noch mit kleineren Aktionen wie Flyerverteilen hervortat, wollen sie dieses jahr zum 18.2. In Würzburg aufmarschieren. Die Veranstaltung in Würzburg trägt den Titel „Ein Licht für Dresden“ und soll an die Bombardierung Dresdens am 16.2. erinnern. Wahrscheinlich haben Blockaden in Dresden den alljährlichen Naziaufmarsch für die Szene unattraktiv gemacht. Also marschieren sie dieses Jahr in Würzburg auf, einer Stadt, um die ebenfalls ein Mythos kursiert, sie sei Opfer des Krieges gewesen.

Wie vorletztes Jahr, als Faschos eine Demonstration in Würzburg veranstalteten (linksunten.indymedia), wird auch dieses Jahr von faschistischer Seite versucht die Befreiung vom Nationalsozialismus historisch zu verklären.
Wieso versuchen Neonazis gerade an den Jahrestagen der Bombardierungen ihre widerliche, geschichtsverdrehende Propaganda unter den Bürger*innen dieser Stadt zu verbreiten? Widerlicher Geschichtsrevisionismus reicht bis in die sog. „bürgerliche Mitte“ der Gesellschaft. Beispielsweise feiert das konservative Online-Schmierblatt wuerzburg erleben zum 16.03.2016 Trümmerfrauen als Heldinnen und bei vielen Veranstaltungen wird heute der Eindruck vermittelt, als sei Würzburg ein unschuldiges Opfer des Krieges. Es wird ein Mythos konstruiert, der davon lebt, dass sich die schuldige deutsche Bevölkerung als Opfer der Nazidiktatur darstellt. Wie auch in Dresden, worauf sich die Demonstration in Würzburg am 18.02.2017 bezieht, wird versucht die Stadt, die als militärisch unbedeutend galt, als unbeteiligt an den Verbrechen Deutschlands während der Nazizeit dastehen zu lassen. Es wird einzig und alleine die Zerstörung der Stadt bedauert, anstatt sie als einzig richtige Reaktion auf die faschistischen Verbrechen der gesamten deutschen Bevölkerung zu betrachten.

Dass Würzburg unbeteiligt an den Grausamkeiten des deutschen Faschismus ist, widerspricht in ekelhaftester Art und Weise den historischen Tatsachen. Würzburgs Rolle bei der Euthanasie war zentral. Der bekannte Nazi Werner Heyde, der als Professor für Psychiatrie und Neurologie an der Universität Würzburgs lehrte, war einer der Hauptinitiatoren der „Aktion T4“. Als einer der Hauptbeteiligten der Euthansieaktion, die alleine im Zeitraum von Januar 1940 und August 1941 70.000 Menschen das Leben kostete, stieg Heyde bis 1945 innerhalb der SS bis zum Obersturmbandführer und Standartenführer auf. Außerdem erhielt Werner Heyde am 21. Februar 1944 den SS-Totenkopfring, der nur den glühendsten und fanatischsten Nazis verliehen wurde. Der Würzburger war maßgeblich für die Entscheidung Gas zur Ermordung von Menschen einzusetzen, verantwortlich. Er behielt während dieser Zeit seinen Lehrstuhl an der Universität Würzburg und bildete Ärzte für die Euthanasie T4-Aktion aus. Euthanasie bezeichnet die systematische Ermordung von Menschen, deren Leben in der Naziideologie als „unwert“ betrachtet wird. Nach Vorstellungen der Faschist*innen schaden „Erb- und Geisteskranke, Behinderte und sozial oder rassisch Unerwünschte“ einem „organischen Volkskörper“. Dass Deutsche von solch menschenfeindlichen Aktionen nichts mitbekommen haben, stellt einen weiteren zu enttarnenden Mythos dar.

Die Universitätsklinik in Grombühl beherbergte eine Außenstelle des Konzentrationslager Floßenbürg, als dessen Initiator Werner Heyde, der nach dem Krieg unter dem Namen Fritz Sawade bis 1964 unbehelligt weiter als Arzt in Schleswig-Holstein arbeiten konnte und über 7.000 Gutachten für den Staat erstellte, gilt. Neben der KZ-Außenstelle waren auch andere Institutionen zur Durchsetzung der faschistischen Verbrechen in Würzburg beheimatet. Unter anderem war auf dem Gelände der heutigen Franz-Oberthür-Schule ein Gestapo-Gefangenenlager untergebracht. 152 Menschen überlebten die Haft dort nicht. Vorletztes Jahr besuchten wir die Orte, um zu zeigen, dass viele Stellen in Würzburg Schauplatz faschistischer Grausamkeiten waren. (linksunten.indymedia)

Würzburg war auch Schauplatz der Reichspogromnacht und 1933 fanden Bücherverbrennungen, u. a. auf dem Residenzplatz statt. Zwischen November 1941 und Juni 1943 wurden an sechs Tagen 2043 Jüd*innen von Würzburg aus in Konzentrationslager deportiert. Nur 41 von Würzburg aus deportierte Menschen überlebten den Holocaust. Vor der Machtergreifung der Nazis waren besonders in der Region Unterfranken viele jüdische Gemeinden beheimatet. Dass man von all dem nichts mitbekommen hat, ist nicht nur unglaubwürdig, es ist schlicht unmöglich.
Mehrere Fotos zeigen die Würzburger Bevölkerung in ihrem nationalsozialistischen Wahn (siehe Fotos). Es ist für uns keineswegs akzeptabel, dass gerade diese Menschen als Opfer dargestellt werden. Wir gehören der letzten Generation an, der es noch möglich ist Überlebende des Naziterrors kennenzulernen. Wir haben Angst vor einer Verdrehung der historischen Tatsachen. Wir haben auch Angst vor einem Wiedererstarken des Faschismus in Deutschland. Ein*e jede*r trägt die Verantwortung Verharmlosungen und Verdrehungen der Geschichte aufzudecken und anzugehen. Wir werden uns auch weiterhin einmischen, wenn von rechter und reaktionärer Seite versucht wird Deutschland und Würzburg als Opfer eines von ihnen begangen Krieges dastehen zu lassen.

Geht am 18.02.2017 mit auf die Straße, denn es geht darum den Nazis weder Platz auf den Straßen zu lassen, noch ihnen die Möglichkeit zu geben die Geschichte zu deuten!

18.02.2017 – 13:30 Antifa-Block auf der Würzburg lebt Respekt! – Demo am Marktplatz

Kein Vergeben – Kein Vergessen! Deutsche Täter sind keine Opfer!

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